Ursprünglich reichten die Vorkommen des Gartenschläfers von der Atlantikküste Portugals und Frankreichs bis zum südlichen Ural in Russland sowie Finnland bis Südspanien und Sizilien. Aufzeichnungen belegen, dass in Mittel-, Süd- und Osteuropa bereits seit einigen Jahrzehnten erhebliche Bestandsrückgänge, Arealverkleinerungen und auch regionales Aussterben verzeichnet werden mussten, zum Beispiel

1900 Gartenschläfer in der nördlichen Oberlausitz (Sachsen) verschwunden

1925 Gartenschläfer im Zittauer Gebirge (Sachsen) verschwunden

1959 Gartenschläfer gilt in Litauen als ausgestorben

1973 letzte Sichtung eines Gartenschläfers in Weißrussland

1988 letzte Sichtung eines Gartenschläfers in Rumänien

1988 Gartenschläfer im Westerzgebirge (Sachsen) nicht mehr nachweisbar

1991 letzte Sichtung eines Gartenschläfers in Finnland

2007 Gartenschläfer im Elbsandsteingebirge (Tschechien und Sachsen) verschwunden

Eine aktuelle europaweite Analyse (Bertolino 2017) kommt zu folgendem Schluss: Ursprünglich war der Gartenschläfer in 26 Ländern Europas verbreitet. In vier Ländern davon kann die Art aktuell nicht mehr nachgewiesen werden. Ausgestorben oder vermutlich ausgestorben ist er in weiteren vier Ländern. Drei Länder beherbergen nur noch einzelne kleine Populationen. In zehn Ländern ist der Gartenschläfer selten oder geht zurück. Damit gibt es nur noch in fünf der ursprünglich 26 Länder stabile Bestände des kleinen Bilchs.

Es ist zudem davon auszugehen, dass sich das Gesamtgebiet seiner Verbreitung in den letzten 30 Jahren um mehr als 50 Prozent verkleinert hat. Der Gartenschläfer ist damit wohl das am stärksten im Bestand zurückgegangene Nagetier Europas.

Der Gartenschläfer ist „Verantwortungsart“

Ein großer Teil des weltweiten Bestandes der Gartenschläfer kommt mittlerweile in Deutschland vor. Deshalb hat Deutschland eine besondere Verantwortung für den Schutz der Schlafmaus. Ziel laut Nationaler Strategie zur Biologischen Vielfalt ist es, dass Arten für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt, bis 2020 überlebensfähige Populationen erreichen.

Trotz dieser besonderen Verantwortung für die Erhaltung der Art existieren in den Bundesländern jedoch bis auf wenige Ausnahmen kaum aktuelle Daten zur Verbreitung des Gartenschläfers und zu seiner Dichte. Aus vielen Regionen werden jedoch Bestandsrückgänge gemeldet. In der Roten Liste wird der Gartenschläfer als „in unbekanntem Maße gefährdet“ geführt.

Ursachenforschung

Was die Ursachen für dieses Verschwinden sind, ist noch völlig unklar. Zumal der Rückgang des Gartenschläfers ein Prozess ist, der bereits vor 150 Jahren begann, wie Sven Büchner es für Sachsen dokumentierte.

Deshalb muss die Ursachenforschung viele verschiedene Aspekte berücksichtigen:

  • Klimatische Veränderungen
  • Veränderungen in den Lebensräumen
  • Veränderungen in den Nahrungsressourcen
  • Einflüsse von Nahrungskonkurrenten oder Feinden im Tierreich (Prädatoren)
  • Genetische Verarmung
  • Krankheiten oder Parasiten