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Die Projektgebiete

So unterschiedlich die Lebensräume des Gartenschläfers sind, so unterschiedlich müssen auch die Projektgebiete sein. Nur so können wir den Ursachen für sein Verschwinden auf die Spur kommen.

Die Projektgebiete umfassen sowohl das wahrscheinliche Verbreitungszentrum im Südwesten Deutschlands als auch die derzeitigen Randgebiete der Gartenschläferverbreitung. Damit finden sich auch die verschiedenartigen Lebensräume des Gartenschläfers im Projekt wieder. So können die Populationen und Bedingungen der einzelnen Gebiete gut miteinander verglichen werden. Zudem sind in den Randgebieten der Verbreitung die Rückgänge deutlicher und schneller spürbar, also vermutlich leichter zu erfassen.

Karte der Projektregionen mit unterschiedlichen Forschungsintensitäten

Bayern

Der Schwerpunkt der Gartenschläfer-Vorkommen in Bayern – und damit auch das Projektgebiet – liegt in den nordostbayerischen Mittelgebirgen: FrankenwaldFichtelgebirgeOberpfälzer und Bayerischen Wald. Dort werden strukturreiche Fichtenwälder mit Beerensträuchern im Unterwuchs und artenreiche Mischwälder in den höheren Lagen besiedelt. Wichtige Strukturen sind Blockschutthalden und Felsformationen. Bekannt sind auch Vorkommen aus einigen Gebieten im westlichen Alpenraum vor. Alte Nachweise häufen sich in Unterfranken im Spessart. Sehr vereinzelt wurde die Art auch in tieferen Lagen in weiten Teilen Bayern gefunden.

Hessen

In Hessen ist der Gartenschläfer nach dem derzeitigen Wissensstand vor allem entlang der Flüsse Rhein und Main in Streuobstgebieten und angrenzenden Gebüschen und Feldgehölzen sowie in Siedlungs- und deren Randbereichen beheimatet, wo er mitunter in unmittelbarer Nähe zum Menschen in Häusern, Parks und Gärten lebt. Südlich des Mains kommt der Bilch im Landkreis Groß-Gerau vor, aus dem Odenwald gibt es einzelne Nachweise. Auch aus den Randgebieten Frankfurts und dem Maintal gibt es Meldungen. Aus dem restlichen Hessen sind Nachweise spärlich und veraltet.

Die Projektgebiete umfassen die Stadt Wiesbaden und ihre Randbereiche sowie den angrenzenden Main-Taunus-Kreis. In Wiesbaden lebt der Gartenschläfer mitten in der Stadt auf Dachböden von Gebäuden, Balkonen und in Gärten, sowie im Randbereich in Kleingärten und Streuobstwiesen. Ähnliche Lebensräume findet er im Main-Taunus-Kreis vor.

Niedersachsen

Das Projektgebiet des BUND Niedersachsens zur Erfassung des Gartenschläfers ist der Harz mit dem Nationalpark Harz im Süden von Niedersachsen gelegen. Hier befindet sich das einzige stabile Vorkommen in Niedersachsen.

Der Harz ist mit Nadel- und Laubwäldern, Zwergstrauchheide, Mooren und Fließgewässern ein abwechslungsreicher und dadurch attraktiver Lebensraum. Besonders wichtig für den Gartenschläfer sind jedoch die hier vorhandenen felsigen Strukturen und Blockschutthalden, die Versteckmöglichkeiten besonders für den Winterschlaf bieten.

Nordrhein-Westfalen

Die aktuell bekannte Verbreitung in NRW erstreckt sich entlang des Rheintals im Ballungsraum Köln-Bonn. Vorkommen gibt es in Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis, Köln und Leverkusen. Das Projektgebiet ist ca. 400 km² groß. Gartenschläfer sind in diesem Bereich vor allem in Gärten und Kleingärten, Parks, naturbelassene Gebüsche und Waldränder zu finden. Kleingärtnern begegnen sie des Öfteren als Nutzer von Gartenlauben und Obstgehölzen. Die Tiere fallen in den Gärten und Stadtrandsiedlungen vor allem durch ihre lauten hohen Pfiffe auf und lassen sich teils sogar gut beobachten.

Rheinland-Pfalz

In ganz Rheinland-Pfalz, möglicherweise mit Ausnahme der nördlichen Bereiche (Eifel, Bergisch-Sauerländisches Gebirge, Westerwalds) kommt der Gartenschläfer nach den vorliegenden Meldungen noch häufig vor. Dies wurde allerdings bisher nicht systematisch untersucht. Meldungen aus ganz Rheinland-Pfalz sollen deshalb die Grundlage für eine Bestandsaufnahme bilden.

In drei ausgewählten Projektregionen soll das Vorkommen vertieft untersucht werden:

(1) Die Projektregion im Nationalpark Hunsrück-Hochwald umfasst 91 qkm im Westen von Rheinland-Pfalz. Ausgedehnte kühl-feuchte Wälder prägen die Mittelgebirgslandschaft auf den Höhenzügen des Hunsrücks, die auf dem Erbeskopf 816 m ü.NN erreichen. Buchenmischwälder, aber auch Fichtenforste, Schieferblockhalden und Felsformationen, auch moorige Bereiche, so genannte Hangbrücher, sind typisch für den Hunsrück. Wo im Einzelnen der Gartenschläfer hier vorkommt, soll im Rahmen des Projektes geklärt werden.

(2) Das mittlere Moseltal wird seit der Vorrömerzeit kulturlandschaftlich durch den Menschen geprägt. Charakteristisch ist der ständige Wechsel des Landschaftsbildes. Steile Prallhänge, die bewaldet sind oder den typischen Steillagen-Weinbau tragen, wechseln mit flachen Gleithängen, auf denen Obstwiesen oder Städte und Dörfer mit Gärten stehen. Gartenschläfer wurden historisch und aktuell in der Region Trier häufig beobachtet. Einzelmeldungen im Moseltal in Streuobstwiesen und alten Bruch.

(3) Das Oberrheinische Tiefland, das sich in Rheinland-Pfalz entlang von Rhein und Nahemündung erstreckt, ist etwa 115 km lang und 25 km breit. Es ist mit Städten und Dörfern sehr dicht besiedelt und überwiegend durch intensiven Acker- und Weinbau geprägt. In Gärten, Wäldern und Streuobstbeständen kommt der Gartenschläfer hier häufig vor.

Thüringen

Aktuelle Nachweise aus Thüringen stammen fast ausschließlich aus dem Thüringer Schiefergebirge. Weitere Schwerpunkte und damit auch Projektgebiete sind der Nordwestliche Thüringer Wald, die Meininger Kalkplatten, die Region um den Hainich, das Ohmgebirge sowie der Südharz. Ein Großteil der letzten Sichtungen und Totfunde stammen aus ehemaligen Schieferabbaugebieten. Besonders oft konnte der Gartenschläfer hier auf Haldenstrukturen nachgewiesen werden. Weitere Nachweise belegen sein Vorkommen in den für die Hochlagen des Thüringer Waldes oft typischen Fichtenmonokulturen.

Flyer „Spurensuche Gartenschläfer“

Flyer „In search of the garden dormouse“