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Mit molekulargenetischen Untersuchungen soll im Rahmen des Projekts der genetische Status der Gartenschläfer in Deutschland entschlüsselt werden. Die Hoffnung dabei ist, dass in ihrer Genetik Hinweise auf die Ursachen des Rückgangs der gefährdeten Schlafmaus zu finden sind.

Was ist der Anlass zur Untersuchung der Gartenschläfer-Genetik?

Die Entwicklung der Gartenschläfer-Populationen in Mittel- und Ostdeutschland einerseits und im Südwesten Deutschlands andererseits scheinen sehr unterschiedlich: Während die Schlafmäuse im Osten aus vielen Regionen verschwinden, wirkt es im Südwesten so, als würden sie sich weiter ausbreiten.

Zudem ist bereits bekannt, dass beim Gartenschläfer besonders viele unterschiedliche chromosomale Formen existieren.

Ob sich hinter den vielfältigen Lokalpopulationen sogar unterschiedliche Arten oder Unterarten verbergen, ist hier der zentrale Anlass für die Untersuchung der Genetik: Die Unterarten mit ihren verschiedenen Lebensraumansprüchen könnte man durch den Schutz und die Vernetzung ihrer Lebensräume gezielt stärken.

So ist die innerartliche Vielfalt nicht nur ein Schlüssel für den Schutz der Gartenschläfer. Sie ist zudem selbst ein Schatz, den es zu erhalten und zu schützen gilt. Die genetische Vielfalt ist neben der Artenvielfalt und der Vielfalt an Lebensräumen eine der drei Säulen der Biodiversität und sicherlich die zurzeit am stärksten vernachlässigte. Deshalb soll auch bei Auswilderung und Wiederansiedlung die genetische Struktur der Gartenschläfer gezielt berücksichtigt werden.

Was wollen wir herausfinden?
  • Wie ist die genetische Struktur des Gartenschläfers in Deutschland?
  • Welche genetisch möglicherweise lokal angepassten Gartenschläfer-Formen gibt es?
  • Wie hängt die genetische Struktur mit der Verbreitungsgeschichte zusammen?
  • Gibt es Hinweise auf genetische Verarmung?
  • Wo kommen die lokal angepassten Gartenschläfer-Bestände vor, und wie unterscheiden sie sich?

Foto©Sven Buechner

Ziel der Forschung ist dabei, die genetische Verbreitungsgeschichte des Gartenschläfers in Deutschland zu untersuchen, um mögliche Ursachen für die Rückgänge aufzudecken. Zur Unterstützung der Auswilderung und Wiederansiedlung soll zudem ein hoch-spezifisches genetisches Markersystem für die Unterscheidung der vielfältigen Gartenschläfer-Formen entwickelt werden. Eine bundesweite Gendatenbank für die Tierart Gartenschläfer in Deutschland soll die gezielte Naturschutzarbeit grundsätzlich dauerhaft unterstützen.

Wie gehen wir vor?
Gartenschläfer-Nest in einem Grill (©Holger Sticht)

Die Verbreitung unterschiedlicher genetischer Formen beim Gartenschläfer soll durch  molekulargenetische Untersuchungen an der Kern-DNA geklärt werden. Zur Ermittlung von evolutionären Linien werden arealweite Verbreitungsmuster des Gartenschläfers mittels genomweiter Verfahren (SNPs) untersucht.

Die molekulargenetischen Analysen erlauben die Unterscheidung von evolutionären Linien, welche die Basis für den nachfolgenden Schritt der Entwicklung eines diagnostischen genetischen Markersets für die Art bilden.

Wie kommen wir an das Forschungsmaterial?

Zur Untersuchung der Genetik werden v.a. Haar- und Kotproben von Fundtieren, aus Nistkästen, von Auffangstationen usw. genutzt. Darüber hinaus werden Gewebeproben von tot aufgefundenen Tieren sowie von Museumsbelegen (z.B. Präparate) genutzt.